Schon wieder Montagnachmittag. Du sitzt mit deinem Kaffee am Laptop. Hast drei Reels vorbereitet, zwei Stories geplant, einen Karussell-Post designt. Texte geschrieben, Canva-Templates angepasst, Hashtags recherchiert. Bis Freitag wirst du 47 neue Likes haben und null neue Bestellungen. Ein Gedanke schleicht sich ein: Mache ich irgendwas falsch? Bin ich einfach nicht gut genug im Marketing?
Was ich denke: Es liegt überhaupt nicht an dir und fehlenden Marketing-Skills. Sondern an einem Kanal, der nicht für dich arbeitet. Und in den wir trotzdem jede Woche sehr viel Zeit und Energie investieren.
20 Stunden Content, 3 Klicks, 1 Kauf: Was uns die sinkende Instagram-Reichweite zeigt
Die organische Reichweite auf Instagram liegt für Business-Accounts mittlerweile bei unter fünf Prozent. Von 1.000 Follower:innen sehen also weniger als 50 deinen aufwendig erstellten Beitrag. Von diesen 50 klicken vielleicht drei auf den Link in deiner Bio. Und von diesen drei kauft – statistisch gesehen – vielleicht eine. Vielleicht.
Zehn, fünfzehn, manchmal zwanzig Stunden pro Woche für Content, der im Algorithmus-Nirvana verschwindet und kaum bei den Menschen ankommt, die du erreichen willst. Die durchschnittliche Conversion Rate von Social Media zu einem tatsächlichen Kauf liegt laut Shopify-Benchmarks bei ein bis drei Prozent. Selbst mit 10.000 Followerinnen landen wir bei 15 bis 30 Käufen. Dafür einen Aufwand betreiben, der einem Teilzeitjob entspricht – ich weiß nicht.
Hinzu kommt: 60 Prozent der Selbstständigen nennen Social Media ihren größten Stressfaktor im Marketing. Eine ganze Generation von Gründerinnen, die ihre kreative Energie in ein System steckt, das genau so gebaut ist, dass es nie genug ist. Immer noch ein Reel. Immer noch ein Trend. Immer noch ein Update, das die Karten neu mischt. Plattformen wie Instagram sind nicht dafür gebaut, dass du Kundinnen gewinnst. Sie sind dafür gebaut, dass Menschen möglichst lange auf der Plattform bleiben. Dein Content ist für den Algorithmus das, was die Hintergrundmusik im Kaufhaus ist: nett, aber nicht der Grund, warum jemand an der Kasse steht.
"Instagram didn't just popularize marketing advice. It trained women to believe marketing is the business."
(Eleanor Beaton, Founder SafiMedia)
Es geht: Vertrieb ohne Social Media
Geht es anders, fragst du? – Ich denke ja. Stell dir einen Wochenmarkt vor. Samstag, zehn Uhr, Sonnenschein. Die Menschen sind da, um einzukaufen. Sie schlendern von Stand zu Stand, sie suchen, sie vergleichen, sie kaufen. Niemand muss ihnen erklären, warum sie hier sind. Niemand muss crazy tanzen oder blinkende Schilder hochhalten, damit sie stehenbleiben. Die Kaufabsicht ist schon da. Der Markt bringt die richtigen Menschen zusammen – die, die etwas Gutes zu bieten haben, und die, die genau danach suchen.
Online hat dieses Äquivalent für kleine oder gar frauengeführte Marken lange gefehlt. Dabei gibt es einen fundamentalen Unterschied, den es sich lohnt, genauer anzuschauen: den zwischen Sichtbarkeit und Vertrieb. Follower bedeuten Sichtbarkeit. Jemand hat irgendwann mal auf „Folgen" gedrückt, vielleicht wegen eines schönen Bildes, vielleicht aus Sympathie. Über die Kaufbereitschaft dieser Person sagt das erstmal wenig aus.
Kaufbereite Kundinnen dagegen sind Frauen, die aktiv nach einem Produkt suchen, das du anbietest. Die eine Entscheidung treffen wollen. Die ihr Geld bewusst ausgeben möchten, am liebsten bei jemandem, dessen Geschichte und Werte sie teilen. Ihr „Buying Intent" ist die wertvollste Eigenschaft, die eine potenzielle Kundin mitbringen kann. Wenn wir uns dann noch vor Augen führen, dass Frauen über 80 Prozent aller Haushaltsausgaben entscheiden, also nicht nur bestimmen, was in ihrem Schrank landet, sondern auch im Bad, in den Kleiderschränken von Lebenspartnern und Kindern, in den Geschenketüten für die Verwandtschaft und mittlerweile auch in Garten und Garage, wird deutlich, wie klug es ist, den weiblichen Buying Intent strategisch zu nutzen.
Kundinnen statt Follower: Die bessere Rechnung
Und jetzt kommt ein Ort, der genau diese Frauen zusammenbringt. Frauen, die bewusst bei Frauen kaufen wollen, und Frauen, die großartige Produkte und Services anbieten. Ein Ort, mehr noch: ein ganzes Ökosystem, in dem dein Produkt für sich spricht. In dem Kaufkraft und Haltung zusammenkommen. In dem kein Algorithmus entscheidet, wer dich sieht, sondern Frauen* (und Männer*), die genau wissen, warum sie da sind.
Wir dürfen uns erlauben, weniger zu posten. Wir können und sollten Energie in unsere Produkte stecken statt in Content. Wir können Vertriebskanäle wählen, die konvertieren statt unterhalten. Solche, die uns mit Frauen verbinden, die kaufen wollen, nicht nur liken. Das ist keine Kapitulation vor Sozialen Medien, sondern eine unternehmerische Entscheidung. Und zwar eine ziemlich gute, wie ich finde. Denn mal ehrlich: Wir würden doch auch keiner Freundin raten, zwanzig Stunden pro Woche in etwas zu investieren, das nachweislich kaum Ergebnisse bringt. Wir würden sagen: Investiere deine Zeit dort, wo sie wirkt. Vertrau auf das, was du kannst. Und such dir Menschen, die das zu schätzen wissen, und zwar mit ihrer Wallet, nicht nur mit ihrem Daumen.
Kaufkraft war schon immer in Frauenhand. Und die Wirkung wird es zunehmend auch sein. Und die beginnt nicht bei 10.000 Followern. Sie beginnt bei der ersten Kundin, die sagt: „Genau das habe ich gesucht." Bei der zweiten, die immer wieder kommt. Bei der zehnten, die dich weiterempfiehlt. Bei 100, die kaufen, weil sie bei dir kaufen wollen.
Genau das bauen wir gerade. Hier und jetzt. WHERA in this together.
